Es gibt viele Celli auf der Welt. Ich habe den Eindruck, dass es noch mehr Fehlinformationen über Celli gibt als Celli selbst.
Deshalb versuche ich hier, ein paar grundlegende Dinge zu klären. Was ich vergessen habe, könnt ihr gerne in den Kommentaren ergänzen...

Celli sind eine alte Technologie, die seit dem 18. Jahrhundert nur wenige Male modifiziert wurde – größtenteils werden Celli (und Geigen, Violen und Kontrabässe) noch immer auf dieselbe Weise gebaut wie zu Zeiten Stradivaris und vieler seiner Zeitgenossen wie Amati, Guadanini oder Montagnana. Die Korpusform wurde im Falle der Geige und des Cellos (Violen und Kontrabässe sind ein Thema für einen anderen Tag und einen anderen Blogbeitrag) im 18. Jahrhundert mehr oder weniger perfektioniert – perfekt in dem Sinne, dass der Korpus genau die richtige Größe hatte, um die Töne des Cellos so schön wie möglich klingen zu lassen.
Celli sind größer als Geigen, weil sie tiefere Töne spielen und mit dem größeren Korpus die längeren Schallwellen besser reflektiert und schön projiziert werden. Die allgemeine Form ist etwas variabel, aber die Kurven sind ideal, um die Schwingungen der Saiten im Korpus des Instruments zu verstärken. Ein Cello ist also im Wesentlichen ein Instrument mit eingebautem Verstärker, weshalb e-Celli „nur” mit Saiten, Stimmwirbeln und einem Steg auskommen – sie verwenden externe Verstärker oder Lautsprecher, um den Klang zu verstärken.
Holz war das Material der Wahl für Celli und für die Violinenfamilie im Allgemeinen, weil es leicht zu bearbeiten ist, überall leicht erhältlich ist (war?) und schöne akustische Eigenschaften hat. Es ist flexibel – im Cellobau werden im Laufe eines Jahres gerade, dünne Holzplanken angefeuchtet und um einen harten Rahmen gebogen, um die Seiten zu formen. Die Decke wird sorgfältig zu einer zarten, geschwungenen Form geschnitzt. Die Holzstücke werden mit einem flexiblen Leim zusammengeklebt, der sich ähnlich wie das Holz an Temperatur und Feuchtigkeit anpassen kann. Das Instrument wird traditionell von Hand gefertigt, da jeder Baum einzigartig ist und daher individuelle Bearbeitung benötigt, um auf die bestmögliche Weise geformt zu werden, ohne dabei zu brechen oder beschädigt zu werden.
Maschinen können dies nicht reproduzieren. Ich wiederhole: Maschinen können dies nicht reproduzieren...!
In den letzten Jahrzehnten wurden viele alternative Materialien zu Holz für die Herstellung von Celli vorgeschlagen und verwendet. Holz wird als Ressource immer knapper, was es teurer macht. Außerdem ist es ein zeitaufwändiger Prozess, Holz langsam in eine bestimmte gebogene Form zu bringen, was bedeutet, dass eine (billige) Massenproduktion im Grunde unmöglich ist. Jedes Holzinstrument muss von einem speziell ausgebildeten Handwerker bearbeitet werden, selbst für ein vergleichsweise günstiges Cello. Das wahrscheinlich beste Material unter den getesteten Alternativen ist Kohlefaser, ein leichtes und leicht formbares Material, das auch über gute akustische Eigenschaften verfügt. Durch die Annäherung an die Größe, Form und das Gewicht eines Cellos mit Kohlefaser ist es möglich geworden, gute Cellos herzustellen, die nicht aus Holz gefertigt sind. Gut und relativ preiswert, aber nicht großartig.
Es gibt noch ein weiteres Material, das technisch gesehen ebenfalls Holz ist, aber wobei es sich um einen Verbundwerkstoff handelt: gemischte Holzstücke oder -schichten, die mit einem starken Klebstoff zu Pressspanplatten zusammengefügt werden. Diese können in jeder beliebigen Form hergestellt werden und werden auch zur Herstellung billiger Möbel verwendet. Dort beginnen die Probleme: Erstens vibriert Klebstoff nicht so gleichmäßig und schön wie Holz, sodass keiner der Teile des Cellos so schön klingt wie er sollte. Wenn dann etwas kaputt geht, ist es fast unmöglich, es zu reparieren – denk an den 5-Euro-Tisch von Ikea, den du in jungen Jahren mal gekauft hast: wenn du ihn einmal auseinander genommen hast, ist es oft unmöglich, ihn wieder zusammenzusetzen, weil die Schraublöcher ausgefressen sind. Außer sie zu verkleben kann kein Möbelhersteller sie reparieren. Bei Massivholz ist es dagegen möglich, fast jede „Verletzung” des Möbelstücks oder Cellos zu reparieren und es so zu retten.
Verbundholzinstrumente sind die Art von Celli, die oft als neue Instrumente in Schülerqualität vermarktet werden und manche Leute halten sie für eine gute „Investition”, weil sie hören, dass andere Celli, wie Stradivari-Modelle, als Sammlerstücke für Millionen verkauft werden und sie daher davon ausgehen, dass ihr Instrument seinen Wert ebenfalls behalten wird. Sie irren sich allerdings: diese Celli aus Verbundholz können nicht repariert werden und daher ihren Wert (leider) nicht behalten, insbesondere wenn sie kaputt gehen. Ein Cello aus Massivholz hingegen behält seinen Wert über die Zeit hinweg. Und selbst wenn es kaputt geht, ist es nicht sofort wertlos – es verliert zwar an Wert, aber nicht enorm, sofern es richtig repariert wird. Es kann auch genauso gut klingen wie zuvor.
Wenn du also ein Cello mit einem knappen Budget kaufen möchten, empfehle ich, nach einem gebrauchten Instrument aus Massivholz zu suchen, das schon ein paar Mal kaputt gegangen und repariert worden ist. Dieses Instrument ist aufgrund seiner Narben günstiger, klingt aber gut, ist weiter reparierbar und hält seinen Wert über die Zeit, wenn es nicht erneut beschädigt wird. Du kannst es also wahrscheinlich für etwa den gleichen Preis verkaufen, für den du es gekauft haben (wenn du Glück hast, ist oder wird der Hersteller des Instruments sogar bekannt, dann steigt der Wert des Instruments). Diese Art von Instrumenten sind oft für unter 2.000 € zu finden.
Wenn du etwas mehr Geld zur Verfügung hast, finden sich einige neu gebaute, preisgünstige Massivholz-Celli – diese werden in der Regel teilweise oder fast vollständig in Osteuropa oder Asien gebaut, an deutsche oder andere Geigenbauer:innen verkauft, von diesen fertiggestellt und mit einem kleinen Gewinn weiterverkauft. Diese liegen preislich oft bei etwa 2.000 € und mehr. In dieser Kategorie finden sich zudem viele Massivholz-Celli, die nur leicht beschädigt und repariert wurden oder von unbekannten Hersteller:innen sind.
Und wenn du ein größeres Budget hast, kannst du so viel oder so wenig davon ausgeben, wie du möchtest, um Instrumente von höherer Qualität zu erwerben. Neue Instrumente von zeitgenössischen Hersteller:innen werden in der Regel für mindestens 20.000 € verkauft, alles unter diesem Preis ist wahrscheinlich ein gebrauchtes Instrument.
Mein genereller Rat beim Cello-Kauf ist: Schau dich innerhalb deines Budgets um und finde das Cello, das deiner Meinung nach am besten klingt. Es ist vielleicht nicht das Schönste oder hat nicht die rötliche Tönung, die du dir vorgestellt hast – aber wenn es gut klingt, dann ist es das richtige für dich.
Es gibt ein paar weitere Dinge zu beachten: Verschiedene Saiten können auf demselben Instrument einen unterschiedlichen Klang erzeugen, ebenso wie ein anderer Bogen. Verschiedene Räume bringen unterschiedliche Aspekte des Klangs eines Instruments zur Geltung, und einige Änderungen am Setup (Steg, Stimmstock) können gewaltige Unterschiede im Klang sowie im Spielkomfort bewirken...
Es ist schwierig, all diese möglichen Faktoren zu berücksichtigen. Daher empfehle ich, beim Kauf eines Cellos eine:n professionelle:n Cellist:in hinzuzuziehen. Im Idealfall kannst du das Instrument auch für ein paar Tage oder Wochen mit nach Hause nehmen, um es in verschiedenen Räumen und Umgebungen auszuprobieren und es von anderen Personen, wie beispielsweise deinem:r Privatlehrer:in, spielen zu lassen, damit du hören kannst wie es aus einigen Metern Entfernung klingt. Wenn du derzeit keine:n Cellolehrer:in hast und mit einem Profi ein Cello kaufen möchtest, schick uns einfach eine Email und wir vermitteln dir gerne eine:n Cello-Mentor:in.
Worauf hast du beim Kauf deines Cellos geachtet? Das Thema ist sehr umfangreich, daher habe ich sicher nicht alles abgedeckt – lasst mich in den Kommentaren wissen, was ich vergessen habe!
von Natasha Jaffe
